Geschätzt und gescholten

Benjamin Murmelstein in Wien 1938–1943

  • Leonard Ehrlich

Abstract

Von Juni 1938 bis zu seiner Deportierung nach Theresienstadt im Jänner 1943 war Dr. Benjamin Murmelstein die rechte Hand des Leiters der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Dr. Josef Löwenherz. In dieser Zeitspanne war Murmelstein als Person wie auch in der Ausübung seines Amtes umstritten. Der schlechte Ruf, der Murmelstein auch nach Theresienstadt folgte, hatte seinen Niederschlag in den Nachkriegsschriften, selbst in denen jener Forscher, die als maßgebend gelten. Die negative Bewertung der Leistung der beiden Wiener Funktionäre bezog sich paradigmatisch auf die Handlungen der Judenräte überhaupt. Die Erforschung der Situation, unter der Murmelstein und Löwenherz ihre Funktion ausüben mussten, der Wahl, die sie selbst in dem Dunkel des ideologisch bedingten Judenhasses treffen konnten, und der Handlungen, die sie trotz des unbezwingbaren Drucks im Interesse der Juden durchsetzten konnten, zeigen ein Profil von Murmelstein und Löwenherz, demgegenüber das des schlechten Rufes sich als Zerrbild erweist.

Published
2019-08-06
How to Cite
Ehrlich, Leonard. 2019. “Geschätzt Und Gescholten”. S: I.M.O.N. Shoah: Intervention. Methods. Documentation. 1 (1), 68-87. https://simon-ojs.vwi.ac.at/index.php/simon/article/view/151.